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1984 - 2009: 25 Jahre BFS-NRW e.V.

Rede zum 25-jährigen Jubiläum des BFS-NRW e. V. in Düsseldorf, gehalten am 19.09.2009 bei der Jubiläumsfeier im Hotel Holiday Inn von Robert Heuser

Sehr geehrte Gäste, liebe Freunde und Delegierte der Ortsvereine und Einzelmitglieder,

wir konnten heute Vormittag den BFS Landesverband NRW in seiner ganzen Vitalität bei seiner jährlichen Mitgliederversammlung erleben.
Und ich stelle mit großer Freude fest, dass der geordnete und erfolgreiche Betrieb dieser Landesorganisation trotz mannigfaltiger Schwierigkeiten nun schon seit 25 Jahren kontinuierlich gewährleistet ist.
Daran haben viele Personen Anteil und große Verdienste erworben.

Leider können heute nicht alle an dieser Jubiläumsfeier teilnehmen, aber ein Teil dieser für den BFS-NRW wichtigen Menschen ist heute hier, und ich danke im Namen des amtierenden Vorstandes den An- und Abwesenden für ihre aufopferungsvolle Arbeit für die Sehbehinderten nicht nur dieses Bundeslandes.
Lassen Sie uns die Gelegenheit nutzen, einen Blick auf die Gründung und Geschichte des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen zu werfen. Da wird es eine Menge Namen und Daten geben - also versprechen Sie sich keinen großen Unterhaltungswert von diesem Vortrag. Da müssen wir durch. Nur aus der Aufarbeitung der Geschichte können nachfolgende Generationen lernen und – zumindest manchmal - eigene Fehler vermeiden.

Ihre Aufmerksamkeit und unser gemeinsames Durchhaltevermögen werden in Kürze belohnt - das anschließende Buffet ist ein lohnendes Ziel.

Welchen Grund gab es, den schon seit 1962 bestehenden "Bund zur Förderung Sehbehinderter Kinder e.V.", der 1972 umbenannt wurde in "Bund zur Förderung Sehbehinderter e.V.", und die sich hierzu bildenden Regional- und Ortsvereine um einen Landesverband Nordrhein-Westfalen zu erweitern? Nun, wir leben in einem föderalen politischen System, in dem die Kultushoheit bei den Ländern liegt.
Der Einfluss und Gestaltungsspielraum der Bundesländer gerade im Bildungsbereich ist übermächtig und hat zu sehr unterschiedlichen Regelungen und Vorgehensweisen geführt.

Mühsam musste und muss noch immer über die Kultusministerkonferenz zumindest das Maß an Bundeseinheitlichkeit und Durchlässigkeit herbeigeführt werden, damit der Grundgesetzauftrag nach Artikel 72 Absatz 2 "..Herstellung gleichwertiger Lebensverhätnisse im Bundesgebiet...", gewahrt wird. Aber auch in der Umsetzung der Sozialgesetzgebung ist der Ländereinfluss sehr groß. Dem hatten zahlreiche Behindertenorganisationen bereits Rechnung getragen und Landesverbände gebildet, die sich in Landesarbeitsgemeinschaften zusammenfanden. Auch eine Bundesarbeitsgemeinschaft hatte sich gebildet.
Einflussnahme und Interessensvertretung auf Landesebene war daher auch für die Sehbehinderten zweckmäßig und nur mit einer entsprechenden Verbandsorganisation erfolgreich zu leisten.

Diese Erkenntnis führte bereits in den frühen 70er Jahren zu Bestrebungen, Landesgruppen bzw. Landesverbände des BFS zu bilden. So kam es im Februar 1973 bereits zur Initiative, den Landesverband Berlin zu gründen. Der Vorsitzende des BFS e.V., Herr OstdR Werner Lofing, leistet hier tätige Hilfe.

Der erste Anlauf zur Gründung des Landesverbandes NRW erfolgte am 28.03.1974. Da lud der heute unter uns weilende Gerd Ramakers zur Gründungsversammlung in die Sehbehindertenschule Duisburg ein. Warum es nicht zur Gründung kam und Nordrhein-Westfalen weitere 10 Jahre auf einen Landesverband der Sehbehinderten warten musste, hat viele Gründe, auf die hier nicht eingegangen werden kann.

Im Gespräch mit BFS-Urgesteinen wie Agnes Kremer, Irmgard Baumann, Christian Wolff und Gerd Ramakers oder auch den Berlinern Stephan Kuperion und Jörg Sendlewski ist da einiges in Erfahrung zu bringen.
Einer der Gründe ist sicher auch die Schwächeperiode des BFS Bundesverbandes, die Ende der 70er Jahre einsetzte und erst mit der Reorganisation in dem denkwürdigen Treffen in Büdingen am 19.01.1986 ihr Ende fand.

25 Jahre BFS-NRW: Robert Heuser hält eine Rede zum Jubiläum

Setzen wir unsere Geschichtsstunde über den Landesverband NRW also fort mit dem wirklichen Gründungsakt.
Im Jahre 1984 bildet sich eine Gruppe, die das Ziel aufgreift, einen Landesverband NRW für Sehbehinderte zu gründen und neben den eingangs genannten und in der Satzung nachzulesenden Zielen auch die klare Zielsetzung hat, die Wiederbelebung der bundesweiten Aktivitäten des BFS e.V. durch Reaktivierung oder Neugründung wiederherzustellen. Die Initiative zur Bildung dieser Gruppe geht im Wesentlichen vom Verein zur Förderung Sehbhehinderter Köln mit Agnes Kremer und Dieter Faßbender und den Düsseldorfern mit Anne Lessing-Tersteegen und Josef Adrian, die von Christoph Nachtigäller unterstützt werden, aus. 30 Personen treffen sich am 21.08.1984 in den Räumen der BAG Hilfe für Behinderte in der Kirchfeldstr. in Düsseldorf und diskutieren das Aufgabenfeld und die möglichen Vorgehensweisen. Unter ihnen waren neben anderen Wilma Remarque, Vorsitzende des Aachener Vereins, Familie Wolff vom BFS Mülheim und Irmgard Baumann vom Kölner Verein. Nach weiterer Vorbereitung lädt die sich bildende Arbeitsgruppe mit dem überaus programmatischen Namen "Gründung eines Sehbehinderten Landesverbandes NRW" zum 31. Oktober 1984 in das Haus des Deutschen Ostens, Bismarckstr. 90 in der Landeshauptstadt Düsseldorf ein.

Diesmal klappt es. Nach 3 Stunden und 10 Minuten ist die Gründungsversammlung abgeschlossen und ein Vorstand gewählt. Alle Anwesenden stimmen bei einer Enthaltung der Gründung zu. Ein Grußwort des Rates der Stadt Düsseldorf übermittelt der Ratsherr Rönneper, die BAG Hilfe für Behinderte ist durch Herrn Nachtigäller vertreten, der auch die anschließende Wahl des Vorstandes leitet. Gewählt werden Axel Heinze, Bochum zum 1. Vorsitzenden, Irmgard Baumann, Pulheim zur 2. Vorsitzenden, Schriftführerin wird Heike Patten, Düsseldorf und Kassenführerin Dagmar Vogel, Bottrop. Beisitzerin wird Wilma Remarque aus Aachen. Kassenprüfer werden Agnes Kremer und Peter Lorenz.

Veränderungen im Vorstand und der Satzung verzeichnet das Vereinsregister erstmalig im Mai 1987, Heike Patten scheidet aus dem Vorstand aus. Eine weitere Veränderung ergibt sich nach erheblichen Auseinandersetzungen im engeren Vorstand, die den jungen Landesverband an den Rand des Scheiterns bringt, bereits im Oktober des gleichen Jahres. Axel Heinze scheidet aus dem Vorstand aus und Irmgard Baumann bekleidet nun das Amt der 1. Vor-sitzenden, der Student Christian Wolff wird 2. Vorsitzender.
Dies ist der Beginn einer erfolgreichen Periode in der Arbeit des Landesverbandes, die bis auf den heutigen Tag anhält. Aus der Arbeit des Landesverbandes in diesen 25 Jahren im Detail zu berichten, erlaubt die Zeit nicht. Lassen Sie mich aber einige Punkte erwähnen und Ihnen vor allem eine Zeittafel mit den Namen der handelnden Vorsitzenden übermitteln.

Nach der bereits geschilderten Gründung und dem ersten Wechsel im Vorsitz im Oktober 1987 ergibt sich - neben der üblichen Fluktuation bei den Vorstandsfunktionen SchriftführerIn und KassiererIn sowie den Beisitzern - erst 1990 wieder eine Änderung im Vorsitz. Christian Wolff übernimmt Aufgaben im Bundesverband und Friedel Wyzyla wird zum 2. Vorsitzenden gewählt.

Die Ära Baumann, von 1987 an war Irmgard Baumann 1. Vorsitzende, endet 1993. In diese Zeit fallen viele grundlegende Maßnahmen und Aktionen. Neben den Seminaren ist hier auch die Herausgabe des BFS-NW Info zu nennen, an deren Gestaltung die Herren Christian Wolffund Erwin Denninghaus großen Anteil haben. Diese noch unregelmäßig erscheinende Zeitschrift war der Vorläufer unserer Verbandszeitschrift VISUS. In unmittelbarer Nachfolge des NRW-Info wurde 1992 VISUS als periodisch erscheinende Zeitschrift der Sehbehinderten aus der Taufe gehoben und hinfort bis auf den heutigen Tag vom Bundesverband herausgegeben.

Bei der Mitgliederversammlung im Oktober 1993 werden alle Vorstandsfunktionen neu besetzt. Irmgard Baumann, Friedel Wyzyla und die Schriftführerin Agnes Kremer stehen nicht mehr zur Verfügung. Die Dipl. Psychologin Annegret Lorenz-Köner wird zur 1. Vorsitzenden gewählt, die Sonderschullehrerin Elke Kremm wird 2. Vorsitzende und Monika Packbier, Mutter eines sehbehinderten Sohnes, Schriftführerin. Bereits in der nächsten Wahlperiode ergeben sich Veränderungen im Vorstand.

Im Juni 1996 übernimmt Sabine Epple das Amt der 1. Vorsitzenden, im März 1999 scheidet Elke Kremm aus dem Vorstand aus und Hans Peter Wendel gibt bis zum Dezember 1999 ein kurzes Zwischenspiel als 2. Vorsitzender.
Ein herausragendes Ereignis in dieser Zeit war sicher der 1. Sehbehinderten-Aktionstag am 5. u. 6. Juni 1998 im Bonner Wasserwerk, unter der Schirmherrschaft der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth.
Die rege Beteiligung der Sehbehinderten - natürlich lag schon aus geographischen Gründen der Schwerpunkt bei den Nordrhein-Westfalen - und insbesondere die Rede des Gründungvorsitzenden des Aachener Vereins zur Förderung Sehbehinderter, Gerd Ramakers, im Parlamentssaal „Bonner Wasserwerk", sorgten für Aufsehen und bundesweite Beachtung. Im Dezember 1999 wird als 2. Vorsitzender der bereits bekannte Mülheimer Christian Wolff gewählt.
Die nächste wesentliche Veränderung in der Führung des Landesverbandes ergibt sich erst 2004. Sabine Epple und Christian Wolff scheiden aus dem Vorstand aus und Friedel Wyzyla wird zum 1. Vorsitzenden gewählt, Elisabeth Krych wird 2. Vorsitzende. Dieser Vorstand wird bis ins Jahr 2008 amtieren und Beatrix Zillmer, geb. Thos ist, von kurzen Pausen ununterbrochen, seit 1990 für die Kasse verantwortlich. Einige wichtige Ereignisse fallen in diese Periode.
Die Mitgliederversammlung vom 19.11.2005 beschließt eine weitere Anpassung der Satzung an die veränderten Gegebenheiten und vor allem einen klareren Namen des Verbandes.

Das NW im Namen wird in die allgemein übliche Abkürzung NRW geändert. Der Landesverband trägt jetzt den Namen: "Bund zur Förderung Sehbehinderter " Landesverband Nordrhein-Westfalen e. V. (BFS NRW).

Der von Friedel Wyzyla ins Leben gerufene und betreute Internetnetauftritt Sehbehinderung.de wird zum zentralen Informationspool weit über den Landesverband hinaus. Er ist für alle Sehbehinderte ein wahrer Leuchtturm der Information geworden. In Fortsetzung und Ergänzung der erfolgreichen Seminarreihen des BFS Bundesverbandes ruft Elisabeth Krych den Eltern-Kind-Kurs ins Leben, der seit 2005 durchgeführt wird. PC-Schulungen ergänzen das Seminarangebot.

Zur Mitgliederversammlung am 20.09.2008 stehen routinemäßige Neuwahlen an. Aus gesundheitlichen Gründen steht Friedel Wyzyla nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung. Gewählt wird zur 1. Vorsitzenden Elisabeth Krych, 2. Vorsitzender wird Frank Laemers. Der Kassierer Mario Schattschneider wird im Amt bestätigt. Alexandra Braun folgt dem nicht mehr kandidierenden Robert Heuser im Amt des Schriftführers nach.
Als Beisitzer werden gewählt: Bärbel Müller, Ulrich Zeun und Robert Heuser. Dieter Loskill wird im Januar 2009 in den Beirat berufen.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Freundinnen, damit habe ich Ihnen bzw. Euch auch gleich den aktuellen Vorstand des BFS Landesverbandes NRW bekannt gemacht und kann damit zum Schluss kommen.

Bitte sehen Sie mir nach, dass ich Ihnen das alles nicht ersparen konnte. Sie sind heute Gäste des BFS-NRW e.V. und haben von daher das gute Recht, Ihren Gastgeber ein bisschen besser kennen zu lernen. Diesem Anspruch haben wir uns als Gastgeber verpflichtet gefühlt.

Ich bedaure sehr, Ihnen vieles nicht berichtet zu haben - vermutlich sind Sie sogar ein bisschen dankbar dafür. Aber es ist mir ein wichtiges Anliegen darauf hinzuweisen, dass die hier berichteten Ereignisse und Namen nur eine recht willkürliche Auswahl darstellen. Von der immerwährenden täglichen Arbeit der Beratung, Hilfe für Betroffene, Teilnahme an Veranstaltungen, Organisation, Broschürenerstellung, Mittelbeschaffung usw. usw. wurde nicht gesprochen. Arbeit, die in 25 Jahren von vielen vielen fleißigen BFSlern geleistet wurde.

Ich bitte Sie daher, auch den ungenannten Täterinnen und Tätern einen kräftigen Beifall zu spenden und mit mir in den Wunsch einzustimmen, dass die Arbeit des BFS-NRW noch viele Jahre zum Wohl der Sehbehinderten dieses Landes fortgesetzt werden kann.

Düsseldorf, 19.09.2009 / Robert Heuser

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